Filmausschnitt - Quicktimemovie

 

"Pire u Rovi" - Projektbeschrieb: Ausgangslage

"Pire u Rovi" ist ein medienpädagogisches Projekt mit Vorschulkindern der Zelgstrasse, Bern-Bethlehem unter der Leitung von:
Cornelia Isenschmid, Kindergärtnerin
Regula Hurni, Kindergärtnerin
Urs Kriech, freischaffender Videofilmer im Bereich Kinder- und Sozialarbeit.
Das Projekt wird unterstützt von der Direktion für Bildung, Umwelt und Intergration (BUI) der Stadt Bern.
 

Speziell an diesem Projekt ist:

  • 16 von 19 Kindern sind fremdsprachig, die Spannweite der Deutschkenntnisse ist sehr gross
  • Ein Teil der Kinder kennt mich bereits aus dem Untermattquartier, wo ich seit 10 Jahren wohne, vom Projekt "Hand in Hand", (Integrationsprojekt für Vorschulkinder) und vom offenen Spielangebot "Kinderinsel".
 

1. Die Kamera kennenlernen

Montagnachmittag, die Kinder sitzen im Kreis Ein Schweizerkind kennt die Kamera von seinem Vater, die andern sind neugierig, ein paar schüchtern. Frau Isenschmid erzählt eine Geschichte, aber nicht wie üblich vor den Kindern, sondern hinter einem Paravent, vor der Kamera. Die Kinder verfolgen das ganze life auf dem Monitor.
"Wer möchte nun mal schauen, was sich dort hinter dem rosa Vorhang verbirgt?" Am Montag ist die Gruppe etwas schüchtern, doch zwei Mutige melden sich. Sie dürfen erstmal durch die Kamera schauen, ein Photo (Videostandbild) machen, dann erzählen sie, was ihnen in den Sinn kommt; von den Ferien, der Familie, sie singen ein Lied oder gucken einfach stumm in die Linse.
Die Stimmung lockert sich schnell, die meisten sind nach vorne gekommen, die andern wagen nachher im Kreis einen Blick durch den Sucher. Frau Isenschmid erklärt einfach den Ablauf des Bildes, von der Kamera bis zum Monitor. Am Dienstag das gleiche mit der zweiten Gruppe
 

2. Rollenspiel

Es melden sich genug Kinder, die Lust haben auf ein kleines Rollenspiel vor laufender Kamera. Die kleinen Schauspieler wählen den Schauplatz und die Figur, die sie spielen möchten. Das "Theäterle" sind die Kinder gewohnt, dass die Kamera nicht immer bereit ist noch nicht.
 

3. Ein Beispiel schauen

Die kleinen Geschichten haben Spass gemacht, auch nachher den Zuschauern. Nun geht es um das gemeinsame Projekt. Die Kinder schauen als erstes den Film "Lebenswasser", ein Ferien-Videoprojekt aus dem Untermattquartier, mit ihnen zum Teil bekannten Kindern ihrer Altersgruppe.
Der Film wirft viele interessante Fragen auf: "Ist der König krank? Warum hat er grüne Punkte im Gesicht? Kann der Zwerg wirklich zaubern?"
Wir erklären den Kindern, dass im Film und Fernsehen nicht alles real ist, dass die grünen Punkte gemalt sind, dass nicht der Zwerg sondern die Kamera, resp. der Computer zaubert usw.
 

4. Die Geschichte, Rollenauswahl

  • Anzahl und Art der Rollen; es soll auch Rollen geben für Kinder die noch sehr wenig Deutschkenntnisse haben oder schüchtern sind
  • Ausführbarkeit innerhalb des zeitlichen und örtlichen Rahmens
  • die Geschichte sollte flexibel sein, evtl. Drehbuchänderungen infolge der Spontaneität der Kinder sollten gut möglich sein
 
Nachdem die Kinder die Geschichte gehört haben (Bilderbuch), wählen sie selbst ihre Rolle, erstaunlicherweise mit grosser Ueberzeugung. Das heisst in unserem Fall auch, dass nicht unbedingt alle Kinder jene Rolle wählen, für die sie geeignet sind. Als Ausweichmöglichkeit für solche "Fehlbesetzungen" planen wir:
-markante Kleidung für Hauptrollen, damit eine lange Rolle auch von mehreren Kindern besetzt werden kann
-Arbeiten im Hintergrund für Kinder, die vielleicht nicht von Anfang an vor die Kamera wollen. Klappe, Assistenz, Licht oder Ton.

Die Kinder indentifizieren sich sehr stark mit der Figur, die sie spielen, und behalten diese während der ganzen Projektdauer.

 

5. Drehen

Der Ablauf eines Drehtages ist unterschiedlich:
- Eine Gruppe von Kindern spielt eine Szene, der Rest schaut zu, ein Kind bedient die Klappe, bei Bedarf helfen sie bei Licht, Ton und Requisiten. Sie unterstützen manchmal die Schauspieler, indem sie ihnen vorzeigen,wie sie die Rolle spielen würden, oder springen notfalls ein.
-Manchmal sind nicht alle Kinder dabei, sondern nur die Schauspieler, vor allem bei kleinen Szenen mit wenig Spielern. Um schnell genug reagieren zu können bediene ich die Kamera oft freihand.
-Effekte: dass die Kamera "zaubern" kann, haben die Kinder schon realisiert. Sie schauen jetzt beispielsweise zu, wie ein Kind vor einer blauen Wand gefilmt wird, und nachher auf diese Weise im Baum, resp. im Wohlensee steht.
 

6. Musik

Zu einem richtigen Film gehört Musik, und da wäre es schön, wenn wir wenigstens einen Teil selbst dazu beitragen würden. Dank der Schulwarte ist es möglich, den Gesang der Kinder in einem richtigen Tonstudio aufzunehmen. Fast alle Kinder sind sehr mutig und treten in der schalldichten Kabine vors Mikro und singen ihr gesamtes Repertoire. Als Erinnerung gibts eine CD, und Teile davon kann ich sehr gut im Film einsetzen.
 

7.Fertigstellung

Ich arbeite an einem eigenen, nonlinearen Schnittsystem und kann auf diese Weise schon während dem Drehen mit dieser Arbeit beginnen. Die Kinder sehen zwischendurch fertige Sequenzen sowie Rohmaterial.
Als nächstes ist eine grosse Premiere geplant mit den Kindern und Eltern, noch bevor der Film ganz fertig ist, steht bei einer Familie eine ganze Kiste selbstgemachtes Popcorn für dieses Ereignis.
Als Ziel unseres Projektes stand von Anfang ganz klar nicht das Endprodukt im Vordergrund, sondern die Arbeit mit den Kindern, das Erlebnis, die aktive Fernseharbeit. Schlussendlich bin ich nicht überrascht sondern vielmehr beeindruckt, in welchem Mass beides möglich war. Die Kinder haben mit einem unglaublichen Engagement mitgemacht, hatten sehr viele spontane Ideen und Freude an ihren Rollen. Bei einem Kind flachte die anfängliche Euphorie langsam ab, ein anderes wollte am Anfang gar nicht vor die Kamera und hat sich am Schluss freiwillig für eine zweite Rolle gemeldet.
 
April 2002, Dauer 10 min., VHS, DVD

 

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